Aus der FAZ: Hilfen, die nicht helfen -EIN KOMMENTAR VON KLAUS HILLENBRAND ZU DEN KREDITEN FÜR GRIECHENLAND

eu-griechenland_756395Europa, das sollte einmal ein Kontinent werden, in dem unterschiedliche Kultu­ren zwar nicht verschmelzen, aber doch zusammenwachsen. Dahinter stand der Traum von der Abkehr vom alten Nationa­lismus hin zu einer europäischen Identität, in der jeder nach seiner Fasson glücklich werden sollte. Wenn wir uns Europa heute anschauen, dann ist davon nur wenig übriggeblieben. Der  Umgang  mit  der griechi­schen Krise ist beispielhaft für den Rückfall in nationale Narrative.

Wenn der Bundestag am Freitag über die Griechenland-Hilfen abstimmt,  ist  ein mehrheitliches Ja sicher. Zugleich aber findet dort eine unterschwellige Abstimmung darüber statt, ob die bittere Medizin, die die­sem verarmten Land verabreicht wird, auch in    ausreichend  schwarz-rot-golden geschmückten Flaschen verabreicht wird und ­ob der Athener  Patient  auch  zur Genüge Dankbarkeit  dafür zeigt. Ob der Kranke damit auch eine Chance zur Genesung  hat, steht  nicht  zur  Debatt. Eine  Diskussion über supranationale Solidarität aller Euro­päer findet gar nicht erst statt. Es geht einzig um die Frage, ob die Griechen „ihre Haus­aufgaben gemacht haben’: auf dass der Oberlehrer die Versetzung genemigt.

Nein, hier wird keine  bedingungslose Gießkannen-Solidarität verlangt.   Selbstverständlich kann die Syriza-Regierung nicht einfach mit dem Eurokredit tun, was ihr gerade einfällt. Aber  so, wie  diese  Hilfsleistung verabreicht wird, ist ihr späteres Scheitern ge­wiss. Schon in wenigen Monaten wird Griechenland wieder klamm sein. Wie soll eine Regierung in dieser kurzen Zeit einen Plan entwickeln, mit dem sie die Korruption be kämpft, die Armut mindert, für neue Investitionen sorgt und auch noch Altkredite pünktlich zurückzahlt? Das wird nicht möglich sein. Und so ist absehbar, dass in wenigen Monaten der Bundestag erneut zusammentritt, um über neue Hilfen zu beraten.

Man  muss  Syriza nicht  mögen, aber die neue Regierung in Athen bietet eine große Chance. Mit  ihr wäre  es nach Jahrzehnten endlich  möglich,  das  kriminelle  Klientel­system  aufzubrechen  und wenigstens  für gutbürgerlich-kapitalistische Verhältnisse im Südosten Europas zu sorgen. Und was macht Europa, was treibt der Bundestag? Sie werfen diese Chance weg. Ihr Ja zu den Krediten ist inWahrheit ein Nein zu einem Grie­chenland mit europäischer Perspektive.

 

 

 

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Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

3 responses to “Aus der FAZ: Hilfen, die nicht helfen -EIN KOMMENTAR VON KLAUS HILLENBRAND ZU DEN KREDITEN FÜR GRIECHENLAND”

  1. Annette Schlesier

    bitte – nur meine persönliche Meinung – ich habe den Eindruck – das die neue Regierung – voll auf die Reputation gesetzt hat – eine glorreiche Idee – nur nicht umsetzbar!! Hatte ehrlich – im Vorfeld meinen Hut vor Herrn Syriza gezogen – aaaaaber was er jetzt so aus dem Hut zaubert – dt. Enteignungen ect. – nein – ich glaub – genau das braucht dieses Land nicht!!!

  2. Bernhard

    ebenfalls nur meine persönliche Meinung;
    ein Politiker, der nahezu im Stundentakt seine Aussagen oft bis ins Gegenteil verkehrt, kann eigentlich kaum für voll genommen werden, entweder hat er dabei seine jeweils erste Aussage nicht überdacht oder er hat nachher bemerkt, daß er sie hätte überdenken müssen;
    daß bis heute nach fast genau 3 Jahren immer noch nichts mit den Personen der allseits bekannten Lagarde Liste geschehen ist, zeigt, doch, daß auch die nun immer neuen Reformvorschläge auch wieder irgendwo versickern werden;
    man weiß zu Hunderten die Reichen, die Unsummen ins Ausland schafften, im Lande selbst aber nahezu sich steuerfrei rechnen konnten und nichts passiert; hier liegen Milliarden an Euro brach, die man in die Aufbau und Sozialarbeit des Landes stecken könnte; wie ist es möglich, daß von der Lagarde Liste einige Verwandte von Konstantinos Konstantinou plötzlich geschwärzt waren??
    Wieso beschwert sich der neue Finanzminister über eine angebliche Beleidigung durch Minister Schäuble und weder er noch sein Sprecher können diese Beleidigung benennen, das ist wirklich nur Halbstarkengehabe; dafür schickt er den griech. Botschafter mit einer offiziellen Note zur dt. Regierung, er hätte eigentlich Besseres zu tun;
    die immer wieder vorgebrachte alte Leier der Reparationszahlungen sollte er auch mal überdenken, da müßte ja Griechenland noch für die Untaten von Alexander dem Großen in Persepolis an den Iran bezahlen;
    man sollte sich mal die Dokumente genau durchlesen, unter die 1953 und 1960 Griechenland seine Unterschrift geleistet hat;
    bin beileibe kein Griechenhasser, verbrachte seit 1964 bestimmt über 30 mal meinen Urlaub in Griechenland, kann aber dieses ewige Gejammer, daß die anderen schuld sind, bald nicht mehr hören;
    die tatsächliche Reihenfolge ist doch: zuerst kamen die Schulden Griechenlands und dann die Troika und nicht umgekehrt, wie man heute immer wieder zu hören bekommt; es gibt bisher leider nur sehr wenige griech. Journalisten, die ihren eigenen Landsleuten dies auch mal erklären;

  3. Walter Mette

    Zuerst haben sie gelogen und falsches Zahlenmaterial geliefert, um in die EURO-Gemeinschaft zu gelangen, heute stellen sie dreist beleidigende Forderungen anstatt an ihre Steuerhinterzieher heran zu treten. Das Geld ist ja da; nur nicht dort, wo es benötigt wird und rechtlich hingehört. Warum sollen Andere, die selbst Not leiden, diesen Ausfall kompensieren. Nein, Nein und nochmals Nein so lange, bis die Korruptionäre in Griechenland abserviert sind!!! Ich bin auch kein Griechenhasser, aber Korruptionäre sind nicht das Volk und leben wie die Fürsten; dort muss man hinlangen!!!

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