(Nix) Neues zum Thema Müll auf Korfu

Müll1Der Müll steht nach wie vor im Brennpunkt des Geschehens und es vergeht kein Tag, an dem die lokalen Medien das leidige Thema nicht zur Sprache bringen. Eine dauerhafte Lösung für das Müllproblem auf Korfu liegt jedoch immer noch nicht vor.

Was bisher geschah: Seit 2009 muss der griechische Staat  wegen mangelhafter Abfallentsorgung auf Korfu Strafen in Millionenhöhe zahlen. Die Sanktionen blieben allerdings bis heute erfolglos und die chronisch überfüllte und unzureichend gesicherteDeponie in Temploni wurde und wird weiter  betrieben, weiter unter Verstoß gegen das EU-Abfallrecht. Die einzige Maßnahme, die bisher ergriffen worden ist, ist den Abfall maschinell zu Paketen zu komprimieren um angeblich sein Volumen zu verringern.

Zwar wurde bereits vor 20  Jahren mit dem Bau einer zweiten Deponie in Lefkimmi begonnen, jedoch war dieses Projekt von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Die Einwohner der Stadt Lefkimmi wurden von der Errichtung der Deponie überrascht (Anm. der Redaktion: das damalige Recht (1998) sah noch keine Bürgerbeteiligung vor) und es kam zu wehementen Protesten, bei denen sogar ein Mensch ums Leben kam. Danach wurde die Deponie in Lefkimmi erst mal “vergessen”.

Die Bürger der Region Temploni begannen daher sich auf ihre Weise zu wehren: Sie besetzen die Einfahrt zur Deponie und hinderten die beladenen Müllfahrzeuge daran auf das Gelände zu fahren. Im vergangenen Sommer spitzte sich die Situation zu: Drei Wochen blieb die Deponie geschlossen, Müllberge türmten sich vor Hotels, öffentlichen Einrichtungen, an Stränden und im Zentrum. Ratten, Ungeziefer und Schimmelpilze breiteten sich aus und versetzten die Insel in einen Ausnahmezustand. Die Bürgerinitiative forderte ein tragfähiges Abfallwirtschaftskonzept statt der Endlagerung von Müll und recyclebaren Wertstoffen. Sie zwang so die Stadtverwaltung nach Lösungsansätzen zu suchen.

Lösungsansätze gibt es jedoch immer noch so gut wie keine. Der Stadtrat tagt zwar alle paar Wochen zu diesem Thema, kann aber keine ergebnisorientierten Vorschläge liefern. Selbst  Ministerpräsident Alexis Tsipras,  dem das Problem bei seinem Korfu-Besuch Ende 2017 seitens des Bürgermeisters und des Präfekten geschildert wurde, zeigte sich entspannt: Andere Inseln hätten ihre Müllprobleme im Griff, man solle auch auf Korfu baldmöglich für eine Lösung sorgen.

Dann versuchte man, die mittlerweile betriebsbereite zweite Deponie in Lefkimmi zur Lagerung der “angeblich sauberen” komprimierten Müllpakete heranzuziehen. Doch der Widerstand seitens der Einwohner und Lokalpolitiker in Südkorfu war so stark, dass der Plan schnell wieder aufgegeben wurde.

Bei der letzten Ratssitzung wurde schließlich beschlossen, den Müll außerhalb Korfus zu entsorgen. Das ist zwar kostspielig, aber eine andere Möglichkeit wurde nicht mehr gesehen. Außerdem waren sich ausnahmsweise mal alle einig. So begann man Anträge an die Präfekturen des griechischen Festlands zu stellen um dort einen Endlagerplatz für die Abfälle zu finden. Bisher sind jedoch nur Absagen eingegangen und es scheint, dass keiner den korfiotischen Müll haben möchte.

Die Bürgerinitiative von Temploni berät mal wieder über eine zeitweise Blockierung der Deponie und es ist zu befürchten, dass sich auch für den kommenden Sommer keine Verbesserung abzeichnet.

 

 

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Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

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