Geschichte des Karnevals auf Korfu

Der Karneval auf Korfu wurde maßgeblich durch die Venezier beeinflusst. Deren Soldaten und Ratsherren, die sich in der Stadt ansiedelten, brachten ihre eigenen Karnevalstraditionen mit, die wiederum im römischen Karneval wurzeln. Diese vermischten sich mit den damaligen Bräuchen der Insel und so wurde vor 450 Jahren der Korfiotische Karneval geboren.
An den europäisch geprägten Karnevalsbällen nahmen zunächst nur die venezianischen Herrscher sowie die einheimischen Adligen teil. Für sie wurden ebenfalls, in Anlehnung an die venezischen Sitten, Maskentheater organisiert. Diese Theaterstücke, venezische Kommödien, wurden im Laufe der Zeit auch vom Volk übernommen. Ebenso wie die anderen Karnevalsbräuche, die bunten Kostüme, Domino und Harlekin, die Maskenbälle, die mit den Umzügen in den Strassen und Gassen kombiniert wurden – es entstand ein Karneval, der dem monatelangen Venezischen Karneval ähnlich war.

Zum venezischen Karneval gehörten auch Kartenspiele. Zu diesem Zweck gab es in Korfu vier Casinos – jeweils eins für den Venezischen und Korfiotischen Adel, eins für Soldaten und höhere Beamte sowie eins für die Marineoffiziere. In diesen Casinos gab es Räume für Diskussionen sowie Spielbänke. Die Kartenspiele hießen Tresette, Briscola, Pasetta und Pharao. Es ist bekannt, dass auch der brühmte Giacomo Casanova eins dieser korfiotischen Casinos besucht hat.
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Auf den Dörfern war der venezische Einfluss dagegen nicht so deutlich und so wurden dort zahlreiche haidnische Traditionen erhalten. Die Ankunft des „König Karnavalos“, der nächtliche Tanz der Kostümierten ums Feuer, spontane spöttische Theaterstücke, die „Heilige Hochzeit“ und zum Schluss die Verbrennung des „König Karnavalos“, als Sündenbock mit Gelächter und fröhlichen Wünschen zeugen noch von den archaischen, dem Gott Dionysos gewidmeten Karnevalsbräuchen.
Die meisten Bräuche blieben über die Zeit der französischen und englischen Besatzungszeit bis zum zweiten Weltkrieg erhalten.
Während und nach den Kriegsjahren ist die Beteiligung des Volkes am Karneval zurückgegangen, erst 1955 wurden die volkstümlichen Karnevalstraditionen zunächst auf Initiative von privaten Vereinigungen, wiederbelebt. Zwei Familien sorgten mit großem Engagement dafür, dass die Veranstaltungen in Korfu-Stadt wieder stattfanden. 1962 wurde dann auch eine Organisation gegründet, die die Privatinitiativen in ihren Bemühungen unterstützen. Scharen von Karnavalisten empfingen damals im Alten Hafen life den Karnavalo, der mit seinen in korfiotischem Dialekt vogetragenen Spottreden für Gelächter sorgte.
Durch die Militärdiktatur verschwand der Karneval dann wieder und tauchte erst 1975 wieder auf. Seitdem sorgt die Organisation OKE (Organisation Korfiotischer Veranstaltungen) in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und den örtlichen Kulturvereinen Jahr für Jahr für beeindruckende Umzüge sowie fantastische Theater – und Musikaufführungen.

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Maria

Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 18 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Hochzeits- und Eventagentur HESTIA. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

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