Die Philharmonien Korfus

Philharmonie

Korfu ist wohl mit Abstand die musikalischste Region Griechenlands. Fast jede Familie hier hat mindestens einen Musiker. Die Insel mit ihren 105.000 Einwohnern beherbergt 18 Philharmonien, eine Musikhochschule sowie das erste und in Griechenland einzige Philharmonische Museum.

Die mannstarken, prächtig gekleideten Blasorchester sind bei jedem wichtigen religiösen Fest und natürlich bei allen nationalen Feiertagen zugegen. Und das schon seit mehr als 200 Jahren! Woher kommt aber diese Begeisterung für klassische, insbesondere für Blasmusik auf Korfu?

Im Jahr 1840 gründeten einige Mitglieder der intellektuellen Szene Korfus die erste musikalische Verbindung auf der Insel. Damals war Korfu unter englischer Herrschaft und die britische Garde weigerte sich, die orthodoxen Feierlichkeiten musikalisch zu unterstützen. Anlass für die Gründung der ersten „Philharmonischen Gesellschaft“ war also, eine Institution zu schaffen, die den (in dieser Zeit wiedergeborenen) nationalen Gedanken Griechenlands unterstreicht und zum Ausdruck bringt. Erster musikalischer Leiter dieser Vereinigung war Nikolaus Mantzaros, der Komponist der Griechischen Nationalhymne und ‚Vater‘ der Ionischen Schule, der ersten Komponistenschule des modernen Griechenland. Dessen Traum war es, eine Musikpädagogische Einrichtung zu schaffen, die den Mitgliedern aller gesellschaftlichen Schichten zugänglich war. Denn bis dahin war Musikunterricht nämlich nur wenigen Menschen vorbehalten.

So bot die erste Philharmonische Gesellschaft kostenlosen Musikunterricht für alle, vor allem auch für die Kinder der Arbeiterklasse und für Waisen. Und bis heute sind die Philharmonien und die damit verbundenen Musikschulen umsonst.

Schon bald –ein Jahr nach der Gründung- konnte das erste Blasorchester die Prozession zur Feierlichkeit des Heiligen Spyridon begleiten. Obwohl die Musikschule auch in anderen Instrumenten ausbildete, stellte und stellt die Blasmusik in Verbindung mit Schlaginstrumenten den wichtigsten Bestandteil der Philharmonischen Gesellschaft dar. Die Gründe dafür sind praktischer Natur: Einserseits lassen sich Blasinstrumente relativ schnell lernen, andererseits eignen sie sich an religiösen oder nationalen Feiertagen für Prozessionen und Umzüge sowie für Open-Air Konzerte.

1890 entstand eine zweite Philharmonische Vereinigung mit dem Namen „Mantzaros“. Auch hier war vorrangiges Ziel, der Arbeiterklasse die Gelegenheit zu bieten, sich durch Musik geistig zu betätigen und zu entspannen. Neu war, dass auch Mädchen in den Musikunterricht aufgenommen wurden. Wie die „Alte hatte auch die „Neue“ Vereinigung Klassen für Gesang, Klavier, Streich- und andere Orchesterinstrumente, legte aber den Schwerpunkt auf die „Banda“, wie das Blasorchester im Volksmund genannt wurde. Neben die roten Uniformen der „Alten“ traten jetzt tiefblau gekleidete Musiker und bildeten so eine musikalische Einheit in den traditionellen Farben Korfus.

3 weitere Philharmonien entstanden bis 1910 und im weiteren Verlauf des 20sten Jahrhunderts wurden überall auf der Insel ähnliche Musikvereine mit Blasorchestern gegründet. Diese begleiten auch heute noch in eindrucksvollen Umzügen die Schul- und Militärparaden sowie die kirchlichen Prozessionen. Die größten Prozessionen sind am Palmsonntag sowie am Karfreitag, dann schiebt sich eine kilomenterlange Schlange von farbenprächtigen Musikern und Chören durch das historische Zentrum der Stadt.

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Maria

Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 18 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Hochzeits- und Eventagentur HESTIA. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

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