Ein Arzt vom Festland besucht Arillas und schreibt eine Liebserklärung an das Dorf:

Der Anästhesist Dr. Georgios Papadopoulos besuchte vor ein paar Jahren seinen Kollegen und (zufälligen) Namensvetter Dr. Jannis Papadopoulos und was er dabei erlebte, hat ihn tief beeindruckt:

Ausflug in ein anderes Griechenland

Geschrieben von: Georgios Papadopulos

Jorgos Papadopoulos, AnästhesistAm 12.April 2014 besuchte ich im Rahmen der 50 jährigen Jubiläumsfeier der Universität Ioannina das korfiotische Dorf Arillas und dieser Besuch wurde eine spannende Angelegenheit.

Es handelt sich um eine kleine Siedlung zwischen Agios Stefanos und Agios Georgios, etwa 40 Kilometer nördlich von Korfu-Stadt. Beeindruckt hat mich dort vor allem die Tatsache, das in dieser Gemeinschaft Solidarität, Kollegialität, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Vertrauen zwischen den Bewohnern vorherrscht. Diese leben nach dem Motto, dass jede Handlung bzw. Aktivität eines einzelnen, die dem gemeinsamen Ziel dient, in vielfacher Hinsicht zu diesem zurückkehrt. Im Umkehrschluss fügt eine auf die Gemeinschaft destruktiv wirkende Aktivität letztendlich dem Täter selbst Schaden zu.
Dies ist ihr Leitbild zur Verbesserung ihrer Lebensqualität und zur touristischen Entwicklung ihrer Region, so dass der Ort, an dem sie leben und arbeiten, sich als Vorbild einer Urlaubsdestination präsentiert.

Mein Besuch erfolgte auf Initiative des Dorfarztes, des  Allgemeinmediziners Dr. Jannis Papadopoulos. Dieser berichtete mir, dass er alle Erste Hilfe – Seminare unserer Klinik besucht habe und dass diese ihn inspiriert hatten.  Aufgrund meiner Anregung, die Grundlagen der Ersten Hilfe jedem Bürger zugänglich zu machen, organisierte er Kurse für die Dorfgemeinschaft von Arillas, ca. 300 Personen. Die dreistündigen Unterrichtseinheiten zur Herz-Lungen-Wiederbelebung starteten 2011 und erfolgten im Abstand von zwei Monaten. Die Anzahl der Teilnehmer war enorm.
Er bat mich, den Bewohnern von Arillas zu bescheinigen, dass sie in der Lage seien, erste Hilfe bis zum Eintreffen des Arztes zu leisten, und auf ihre Fragen zu antworten.
Auf dem Weg zum Veranstaltungsort fiel mir der gepflegte Zustand der Straßen und der Straßenränder sowie der Müllsammelstationen auf. Letztere standen nicht auf den Straßen, wie im übrigen Griechenland sondern in hölzernen Einfassungen auf privaten, von Dorfbewohnern zur Verfügung gestellten Flächen.

Bild: Defibrillator in der DorfbarDie erste große Überraschung erwartete mich im Dorfzentrum, wo wir anhielten, um einen Kaffee zu trinken. An der Bar, neben den alkoholischen Getränken, befand sich ein Defibrillator. Dieser ist den ganzen Winter über dort, weil es der zentrale Ort im Dorf ist, den alle kennen. Im Sommer wird er an den Strand gebracht. Es handelt sich um die Spende eines deutschen Touristen der nach einem Herzinfarkt erfolgreich von Dr. Papadopoulos wiederbelebt wurde.

 

Bild: Eindrücke von den Anwesenden

 

 

Eine zweite Überraschung erlebte ich im Kulturzentrum, wo 60 Personen zwischen 6 – 69 Jahren einen Saal bis an die Grenze füllten. Dort gab es neben der Bibliothek und der volkskundlichen Ausstellung eine Ausrüstung zur Veranschaulichung der Herz-Lungen-Wiederbelebung, eine Puppe sowie ein Schulungs-Defibrillator.
Noch überraschter war ich nach meiner Begrüßung und Ansprache über die unglaubliche Anteilnahme an den Ersten Hilfe Maßnahmen, die wortwörtlich Geschichte schrieb. Im Saal herrschte respektvolles Schweigen, wie ich es selten erlebte.
Bild: Der jüngste Lebensretter von Arillas, Spyros Kourkoulos mit seinem Namensvetter Spyros MouzakitisDann schrie plötzlich der Dorfarzt, dass jemand ohnmächtig geworden sei, woraufhin sofort zwei Kinder im Alter von 6 und 10 Jahren mit großem Ernst und unvorstellbarer Geschwindigkeit auf hochprofessionelle Art das Opfer untersuchten, die Diagnose stellten und um Hilfe riefen. Ohne Zeit zu verlieren, begann der Größere der beiden mit Thoraxkompressionen, während der 6- jährige die Notfallmaßnahmen zum Freimachen und Freihalten der Atemwege ergriff  und mit der Beatmung anfing, so wie es in den internationalen Leitlinien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung vorgesehen ist. Gleichzeitig rief ein Erwachsener den Notarztwagen, wobei er wichtige Informationen zum Geschehen und zur Örtlichkeit abgab. Es waren aufregende Momente für mich und ich kam erst wieder zu mir, als ich während der Wiederbelebung meinen spontanen Applaus hörte.

Bild: Gabriela wird für die weitere Behandlung in die Mitte des Saals gebracht

Dieser Szene folgten weitere, sämtliche Anwesenden nahmen in Zweiergruppen teil, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Männer und Frauen, alle mit dem gleichen Eifer, Ernst und Professionalität ohne dass das geringste Geräusch zu hören war. Irgendwann, während ich beschäftigt war, bekam neben mir Gabriela tonisch-klonische Krämpfe. Blitzartig packten sie zwei Jugendliche an Händen und Füßen, um sie in die Mitte des Saals zu verfrachten, und nachdem sie sie untersucht hatten, brachten sie sie in die stabile Seitenlage.

Vielleicht sollte Gabriela Schauspielerin werden; für mich waren diese Augenblicke  jedenfalls erfolgreich und bewundernswert im Hinblick auf diese kleine Gemeinschaft und ihre Mentalität.   Anführer dieser ganzen Veranstaltung war Dr. Jannis Papadopoulos, Allgemeinmediziner der Region, Sohn einer Auswandererfamilie, in Prag geboren, wo er Medizin studierte und sich auf Hals-Nasen-Ohrenheilkunde spezialisierte. Mit ihm zusammen wirkte seine Frau, Tatiana tschechischer Herkunft und Chirurgin.

Bild: Allgemeinarzt Jannis Papadopoulos mit seiner Frau Tatiana, Chirurgin

 

 

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Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

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