Meine Odysee nach Korfu

Fähre auf dem Weg nach Korfu

Dass die Reise selbst für reiseerfahrene Korfukenner immer noch zu einem spannenden Ereignis werden kann, bestätigte mir dieser Tage ein guter Freund. Seine Geschichte gleicht dem Drehbuch für eine Tragikomödie mit dem Titel „Meine Odysee nach Korfu“:

Seit 2009 reise ich nach Korfu – und zwar immer auf dem gleichen Weg: Süddeutschland, Bozen, Venedig, Igoumenitsa, Kerkyra. Die Route ist mir mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Planen tue ich schon lange nicht mehr. Ich buche einfach die nächste Fähre von Venedig nach Korfu und dann geht es los. Nur: Dieses Jahr kam alles anders…
Ich reiste am 25.03.14 mit dem „MeinFernBus“ von Tittisee-Neustadt im Schwarzwald nach München. In 4,5 Stunden war München abends um ca. 21:00 Uhr erreicht. Alles pünktlich und für 14 € ein super Reisepreis für sparsame Schwaben. Von München ging es 3,5 Stunden später mit dem Nachtzug nach Venedig – Santa Lucia ( 92€ ), mit Ankunft am nächsten Morgen um 8:30 Uhr. Erst einmal trank ich Kaffee in der Altstadt am Canale Grande, dann wollte ich bis zur Mittagszeit in Venedig bummeln, vielleicht irgendwo eine Pizza essen, mal sehen.
Wie gut, dass mich meine Intuition dann doch irgendwie in Richtung Fährhafen geleitet hat. Meine Füße trieben mich zum Piazzale Roma, von wo ich mit dem PeopleMover für 1,30€ eine Station bis Tronchetto und weiter zur Pforte der Schiffslinien fuhr. Ich suchte die Hinweisschilder mit der Aufschrift meiner Fährlinie Anek-Lines, aber : keine Spur, kein Schild, nichts. „Oxi Anek“ war das Einzige, was der Pförtner auf meine Fragen antwortete. Ich bekam noch heraus, dass die Fähre nicht mehr von Venedig, sondern vom Hafen Mestre aus ablegt. Ich solle einfach mit dem Zug dahinfahren, meinte der Pförtner und dann auf der Rückseite des Bahnhofs nach dem Shuttlebus fragen. Klingt einfach. Ok, Gepäck auf den Rücken und zurück, PeopleMover, Bahnhof Santa Lucia, 15 min. Zugfahrt bis Mestre. Angekommen. Angekommen? Am Bahnhof Mestre wusste niemand bescheid. Shuttle Bus? Anek? Begriffe mit denen keiner was anzufangen wusste.
Irgendein Bahnbeamter verkaufte mir schließlich ein Ticket für die Buslinie 2. Zum Glück fragte ich, bevor ich einstieg: „ Porto Marghera?“ „No, no….“ War die Antwort, „Numero 15“. Auch gut. Also wartete ich auf Linie 15. Linie 15 kommt, ich fragte „ Porto Marghera?“ „No, no….“ Hörte ich, „Numero 2“. Hä? Mittlerweile war es nach 11 Uhr. Planmäßige Abfahrt der Fähre war um 14 Uhr, was aber nicht heisst dass sie tatsächlich um 14 Uhr ablegt. Es kann durchaus passieren, dass sie 1-2 Stunden früher abfährt, das ist mir auch schon passiert. Viel Zeit war nun nicht mehr und ich beschloss, ein Taxi zu nehmen. „ Please to Porto Marghera“ sagte ich zum Fahrer und traute meinen Ohren nicht, als dieser antwortete: „Oh sorry, i don`t know“. Er startete das Navi und fragte zweimal auf der Straße nach. Nach 20 min. und 15€ weniger stehe ich um 12:30 Uhr an der Pforte zur Anek. Immerhin war das Schiff schon ladefertig, ich konnte gleich an Deck und zwischen den Pullmannsitzen mein Lager aus Isomatte und Schlafsack herrichten.
Ich war glücklich wieder auf dem Schiff in den Süden zu sein, 26 Stunden dauert die Fahrt nach Igoumenitsa, lange genug, um mich vom Süddeutschen Alttag zu lösen. Noch wusste ich ja nicht, dass der spannendste Teil der Reise mir noch bevorstand: Windstärke 8 Beaufort, 4 Meter hohe Wellen, Hagel und Gewitter, die heftigste Überfahrt, die ich je erlebt habe! Um 18 Uhr war ich in Igoumenitsa, bereits um 18:30 fuhr die kleine fähre nach Korfu. Also, schnell wieder das Gepäck auf den Rücken und los. Raus aus dem Schiff…eine Riesen-Baustelle zwang mich, einen Riesen-Umweg zu laufen, 20 Minuten strammer Marsch. Mit Trolley oder Koffer wäre das kaum machbar gewesen, da hätte man wieder ein Taxi nehmen müssen. Dank meinem Rucksackgepäck schaffe ich es jedoch so gerade eben, ein 10 € Ticket zu lösen und endlich genieße ich die Reise. Bei herrlichem Wetter schlürfe ich ein eiskaltes Corfu Beer und sehe zu, wie die Sonne langsam hinter dem Troumbetas Pass auf der nördlichsten Ionischen Insel versinkt. Um 20:00 Uhr bin ich im Kerkyra Port, der Duft des Südens steigt mir in die Nase und die Insel hat mich wieder.
Fazit: Für alle die mit der Fähre nach Korfu reisen…etwas mehr Zeit einplanen. Reisezeit von Süddeutschland bis Korfu ca. 50 Stunden, viel Spaß.

Und Vorsicht: Korfu – Suchtgefahr !!!

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Maria

Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 18 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Hochzeits- und Eventagentur HESTIA. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

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