Wie kommen eigentlich die Löcher in die Olivenbäume?

Foto:Petra Huber

Foto:Petra Huber

Die Olivenbäume auf Korfu sind etwas Besonderes. Wohl keine andere Insel hat eine derart dichte und großflächige Olivenbaumkultur. Korfu ist untrennbar mit der Olive verbunden und das schon seit vielen Jahrhunderten. Die ältesten Bäume auf der Insel dürften fast 1000 Jahre alt sein – und tragen immer noch Früchte!

Bemerkenswert ist jedoch in diesem Zusammenhang ein ästhetisches Merkmal der Olivenbäume: Fast alle Stämme zeichnen sich durch ungewönlich bizarre Formen aus. Vertiefungen, Löcher im Stamm und Wülste geben jedem Baum ein ganz individuelles Aussehen. Da liegt die Frage auf der Hand, wie sich die Stämme derart verformt haben – und warum.

Es kursieren verschiedene Theorien, die das einmalige „Outfit“ der korfiotischen Olive zu erklären versuchen: Im Internet fndet man Hinweise auf Pilzbefall, Hobbybotaniker weisen auf ein unregelmäßiges Wachstum hin während andere Olivenexperten das Alter der Bäume vorschieben. Tatsächlich ist es ein Zusammenspiel all dieser Faktoren, wie uns Professor Roloff vom Fachbereich Forstwissenschaften der Universität Dresden erklärte. Ein Team von Dresdner Wissenschaftlern war vor einigen Wochen auf Korfu, um Altersbestimmungen an den Bäumen vorzunehmen. (Radio-Korfu berichtete)

Die zuwachsbedingten Wülste resultieren aus der sogenannten „Spannrückigkeit“, einer Unregelmäßigkeit im Dickenwachstum der Stämme, die auch bei anderen Bäumen, wie der Hainbuche, vorkommt.  Dieses Phänomen hat zur Folge, dass die Stammoberfläche nicht rund, sondern wellig ist, was man auch an den Jahresringen erkennen kann. Besonders im Alter neigen Olivenbäume dazu, sich spannrückig auszudehnen. Laut des Kosmos Wald und Forst Lexikon ist die Ursache der Spannrückigkeit übrigens durch mangelnde Ernährung des Kambiums bei zunehmender Dicke zu erklären ” (Erlbeck/Haseder/Stinglwagner Kosmos-Verlag 2002). So kann es sein, dass speziell auf Korfu die dichte Besiedlung der Flächen mit Olivenbäumen einen Nährstoffmangel im (ohnehin kargen und felsigen) Boden zur Folge hat, der wiederum für die Ausbildung der Unregelmäßigkeiten verantwortlich ist.

Die Hohlräume im Stamm werden tatsächlich von einer Pilzkrankheit verursacht. Der Name des Pilzes ist Polyporus fulvus Oleae, eine Art Feuerschwamm, der mit seinen in dem Holz wuchernden Fäden das Innere des Stammes verfaulen lässt.  Früher wurden die betroffenen Stellen komplett ausgehauen, was dem Baum zwar nicht geschadet, jedoch teils erhebliche Vertiefungen im Baum bzw. Löcher in demselben hinterlassen hat.

Unanzweifelbar gehören die Ur-Olivenbäume mit ihrer eindrucksvollen Größe und ihrem unverwechselbaren Aussehen zum kulturellen Erbe Korfus. Es steht an, der Regierung einen Vorschlag zu unterbreiten, die Bäume unter Natur-Denkmalschutz zu stellen.

 

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Maria ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Mittlerweile lebt sie seit über 13 Jahren in Griechenland, spricht beide Sprachen und fühlt sich in beiden Kulturen zu Hause. Hauptberuflich betreibt sie die Personaldienstleistungsagentur Gefyra für griechische Ingenieure. Besonders am Herzen liegt ihr der Austausch, das Verständnis und die Vermittlung zwischen Griechen und Deutschen.

3 responses to “Wie kommen eigentlich die Löcher in die Olivenbäume?”

  1. Perdita Mouzakitis

    Sehr interessant,
    immer wieder werde ich in meinem Geschaeft von den Kunden befragt, warum denn die korfiotischen Olivenbaeume soviele Loecher aufweisen.
    Vielen dank fuer den Artikel. Ich werde ihn ausdrucken und in meinem Laden auslegen.

  2. Uli

    Hallo Maria,
    ich bin derjenige, der bei der Leitner-Gruppe im Herbst 2014 mit der Frage nach dem Geschlechtsleben der Olivenbäume und nach den Löchern in deren Stämmen genervt hat. Toll, dass Sie Ihre Zusage, auf Radio-Korfu etwas zu den Löchern zu schreiben, verwirklicht haben. Unter allen Antworten, die ich heute ergoogelt habe, ist Ihre die schlüssigste Antwort.
    Was das Geschlechtsleben betrifft, erklärt sich mein Interesse so: Vor Jahren hatte man mir in Frankreich erzählt, man müsse immer zwei Olivenbäume unterschiedlichen Geschlechts nebenseinander pflanzen, um Früchte zu haben, sogar drei, wenn man sich über das Geschlecht nicht sicher ist. Beim Wachsen kämen sich die Bäume dann ins Gehege und würden dann so verdreht wachsen. Diese Erklärung konnte mir in den folgenden vielen Jahren niemand bestätigen, so dass ich mich auf den Arm genommen fühlte. Vor allem, als ich dann in Spanien riesige Plantagen sah, deren Bäume eindeutig nur aus einem Stamm bestanden und die gerade wuchsen. Dank Google & Co. bin ich jetzt schlauer. Letzteres erklärt sich dadurch, dass es heute “selbstfertile” Bäume gibt, da genügt ein Baum, der kommt mit seinem Partner oder seiner Partnerin nicht ins Gehege und kann deswegen wie ein normaler Baum gerade wachsen. Die anderen mit Partner müssen sich halt krümmen…..
    Herzliche Grüße aus dem grauen Deutschland.
    Uli
    Herzliche Grüße auch von Ruth.

Einen Kommentar hinterlassen


8 − vier =

Radio Korfu jetzt einschalten!

Radio Kretra einschalten!

Das Wetter auf Korfu

Archiv (Der Blick zurück)