Der 21. Mai : Zwei Feiertage in einem

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Der heutige Tag ist auf Korfu im wahrsten Sinne des Wortes ein 2in1-Feiertag. Die Geschäfte in der Stadt bleiben geschlossen, dafür öffnen sich die Kirchtüren und auch die griechische Fahne wird gehießt. Was ist los an diesem besonderen Freitag?

Zunächst einmal ist der 21.05 der Feiertag aller Personen mit dem Namen Konstantinos und Eleni – und das sind nicht gerade wenige. Der Namenstag ist in Griechenland das größte persönliche Fest und ihm wird -zumindest nach der Pubertät- weitaus mehr Bedeutung als dem Geburtstag beigemessen.  Auch tragen viele Kirchen den Namen dieser beiden Heiligen und so finden heute in diesen Gotteshäusern Messen statt.

Neben dem religiösen Grund gibt es jedoch noch einen politischen Grund zum Feiern. Der 21. Mai ist für die Ionischen Inseln ein besonderer Nationalfeiertag, denn vor 157 Jahren, also im Jahr 1864, wurden diese von den Engländern an Griechenland übergeben. Dieses Ereignis feiern die Inseln jedes Jahr, normalerweise mit großen Paraden. Dieses Jahr fallen die Feierlichkeiten diskreter aus, aber immerhin gab sich bereits gestern die Staatspräsidentin von Griechenland die Ehre, Korfu zu besuchen.

Ursprünglich waren die Ionischen Inseln, zu denen neben den großen Inseln Korfu, Paxos, Lefkada, Ithaka, Kefalonia, Zakynthos sowie Kythira auch einige kleinere zählen griechisch. In der Antike spielten sie eine wichtige Rolle, weil Ithaka die Heimat Odysseus war. Dieser machte auf seiner Irrfahrt auch im Land der Phäaken, dem heutigen Korfu, dem Homer ein großes Kapitel widmete, Station.

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Doch bereits 146 v.Chr. fiel die Inselgruppe für einen Zeitraum von fast 400 Jahren an das Römische Reich. Nach dessen Fall gehörten sie dann zum Byzantinischen Reich bis sie 1204 eine nach der anderen von der mächtigen Seerepublik Venedig erobert wurden.

Die Venezianer-Herrschaft dauerte lange – fast 600 Jahre – und hat den Charakter und die Kultur der Ionischen Inseln maßgeblich beeinflusst. Die Architektur in den Städten erinnert eher an Italien als an Griechenland. Der Küche fehlen die typischen orientalischen Gewürze, stattdessen gehören Nudelgerichte zu den traditionellen Speisen. Auch die Volksmusik – dominiert von Gitarre, Violine und Akkordeon – hat nichts mit der schweren Klarinettenmusik des nur wenige Kilometer entfernten Epirus gemein. Sogar die Tänze unterscheiden sich: Während in anderen Regionen Griechenlands fast immer im Halbkreis getanzt wird, stehen sich bei einigen Ionischen Tänzen die Tänzer gegenüber oder tanzen paarweise. Da bis in die 1950er Jahre hinein noch ein venezianischer Dialekt auf den Inseln gesprochen wurde, ist auch die Sprache der Ionier eine Eigene. Es gibt zahlreiche Wörter, die einen italienischen Ursprung haben und nur in dieser Region verwendet werden.

Erst Ende des 18ten Jahrhunderts besiegte Napoleon Venedig und die Ionischen Inseln fielen unter französische und später unter britische Herrschaft, bis sie eben im Jahr 1864 mit Griechenland wiedervereinigt wurden.

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